Mobilitätswende
Ausgangslage
Die Doppelstadt ist von einem gut ausgebauten Nahverkehr geprägt. Gleichwohl gibt es auf beiden Seiten des Grenzflusses immer wieder auftretende Einschränkungen im KFZ-Verkehr. Słubice erlebt aufgrund seines Wachstums und der sich nicht in gleichem Maße entwickelnden Infrastruktur regelmäßig Überlastungen, die zur Einschränkung der Lebensqualität führen. Gerade im Hinblick auf die zukünftige Verkehrsentwicklung ist eine intelligente Steuerung des steigenden Besucheraufkommens essentiell. Insbesondere die grenzüberschreitende Verkehrsverbindung ist ausbaufähig. Sie verläuft aktuell im Wesentlichen über die Bundesautobahn und die in der Innenstadt gelegene Stadtbrücke mit der bestehenden Stadtbusverbindung.
Ebenfalls unzureichend ausgeprägt ist die kommunale Radwegeinfrastruktur, die auf beiden Seiten der Oder nur in Teilen vorhanden ist und jenseits des Oder-Neiße-Radweges keine grenzüberschreitende Integration kennt. Für Elektromobilität fehlen Ladestationen und die hierfür nötige Infrastruktur. Erste Ansätze von Mikromobilität (E-Scooter und Pedelecs im Verleihsystem) werden angenommen und zeigen, dass es einen nachfragestarken Markt gibt.
Ergebnisse der Befragung
Das Mobilitätsverhalten der Frankfurter*innen in Bezug auf den Innenstadtbesuch zeigt einen deutlichen Schwerpunkt auf dem Auto als meistgenutztem Verkehrsmittel. 42,5% der Befragten geben an, üblicherweise mit dem Auto in die Innenstadt zu fahrren. Lediglich 18,9% der Befragten gehen zu Fuß, 13,4% fahren mit dem Fahrrad und 10,1% nutzen den ÖPNV. Andere Mobilitätsformen wie z.B. E-Roller spielten bei der Umfrage praktisch keine Rolle. Die Umfrage hat ebenfalls ergeben, dass der ÖPNV als schlecht ausgebaut und als zu teuer betrachtet wird. Die Umfrage hat weiterhin gezeigt, dass der schlechte Zustand von Gehwegen und von Fahrradwegen ein wesentliches Problem darstellt. Ebenfalls deutlich geworden ist, dass eine wesentliche Herausforderung für eine smarte Verkehrspolitik darin besteht, Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters, die bisher sehr stark auf das Auto fokussiert sind, attraktive Alternativangebote zu machen. Als wesentliche Mobilitätsideen bzw. –angebote, die von der Stadt hierzu weiter ausgebaut werden sollten, wurde der Ausbau von Fahrradwegen genannt, während die E-Mobilität als vergleichsweise weniger wichtig erachtet wurde.
Perspektive
Frankfurt (Oder) und Słubice können durch eine smarte Verbindung verschiedener Verkehrsträger einen komplexen Umweltverbund realisieren, bei dem emissionsfreie Individualverkehrsmittel und ein bedarfsgerechter ÖPNV eine zentrale Stellung einnehmenwerden. Die Doppelstadt der Zukunft ist weniger stark vom Autoverkehr geprägt, weist eine Vielzahl weiterer alternativer Mobilitätsangebote auf und gibt diesen Angeboten den nötigen Raum, um für die Nutzer*innen attraktiv zu sein. Hierzu gehören digital ausleihbare und grenzüberschreitend nutzbare Lastenfahrräder, E-Bikes und E-Scooter sowie eine attraktive Verkehrsinfrastruktur mit einem smarten und attraktiven Radwegenetz, Mobilitätsstationen und einer leistungsfähigen digitalen Anwendung, die alle verfügbaren Mobilitätsformen im Zusammenspiel anbietet.
Konkrete Projekte
Es wird ein nutzerorientiertes Fahrradroutennetz aufgebaut, das an dem bereits in Umsetzung befindlichen Projekt eines touristischen Informationssystems zur Entwicklung der Radverkehrsinfrastruktur im deutsch-polnischen Grenzraum ansetzt. Zudem werden hell erleuchtete und attraktive Mobilitätsstationen an zentralen Orten (z.B. Brunnenplatz, Slubicer Straße, Heldenplatz, Bahnhof, Universität, Collegium Polonicum etc.) und Wohnquartieren etabliert. Attraktive Nebenstraßen werden als Teil des Radwegenetzes definiert, auf denen sich PKWs der Radnutzung unterordnen. Es wird eine zweisprachige Mobilitätsapp aufgebaut, die alle Punkte innerhalb des Gebietes der Doppelstadt verbindet und die für jeden Zeitpunkt optimale Mobilitätsformen anbietet. Die App wird unterschiedliche grenzüberschreitende Mobilitätsangebote unter Einschluss von ÖPNV, Carsharing, Leihfahrrädern, E-Rollern und Rufbussen kombinieren und digitale Buchungs- und Bezahlsoptionen anbieten. Die Doppelstadt wird über eine intelligente Verkehrsführung auf Basis der bisherigen Erkenntnisse mit steuerbaren Straßenschildern den Verkehrsfluss weiter optimieren und die Luftqualität verbessern.